Graue Stellen im Bart kannst du zu Hause färben. Zur Wahl stehen eine dauerhafte Bartfarbe, die du mit einem Entwickler mischst, eine Tönung, die sich nach einigen Wäschen auswäscht, und eine Pflanzenfarbe. Für die dauerhaften Farben gelten feste Warnhinweise, weil sie Allergien auslösen können.
Oxidative, also dauerhafte Haarfarben enthalten laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) häufig p-Phenylendiamin (PPD), einen Stoff mit hohem allergenem Potenzial. Beim Allergietest vor dem Färben widersprechen sich Hersteller und BfR. Diesen Widerspruch solltest du kennen, bevor du eine Packung kaufst.
Färbung, Tönung oder Pflanzenfarbe
Das BfR unterscheidet in einer Stellungnahme von 2004 drei Klassen. Temporäre Farben halten ein bis zwei Haarwäschen, semipermanente acht bis zehn. Beide arbeiten nicht oxidativ: Ihre Farbstoffe lagern sich am Haar an oder dringen in die Faser ein. Permanente Farben entstehen erst im Haar, wenn farblose Vorstufen mit Wasserstoffperoxid reagieren. Diese Farbe lässt sich nicht herauswaschen.
Ein Beispiel für eine permanente Bartfarbe ist Just For Men Mustache & Beard. Laut Gebrauchsanleitung mischst du Farbbasis und Entwickler im Verhältnis 1:1, und der Hersteller zählt das Produkt selbst zu den permanenten Haarfarben. Die Farbe hält laut Produktseite, bis das Grau nachwächst.
Pflanzenhaarfarben basieren meist auf Henna. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass Henna allein rot färbt und dunklere Töne meist chemische Zusätze brauchen. In seinen Proben pflanzlicher Haarfarben von 2011 fand das Amt teils chemisch-synthetische Zusätze, in einer Probe auch PPD. Lies deshalb die genaue Bezeichnung und die Inhaltsstoffliste, bevor du dich auf „pflanzlich“ verlässt.
Für die Wahl heißt das: Eine dauerhafte Abdeckung leisten die oxidativen Bartfarben. Willst du PPD meiden, prüfe eine Tönung oder eine reine Pflanzenfarbe. Dann nimmst du in Kauf, dass Tönungen sich auswaschen und reines Henna nur rote Töne liefert. Auch hier lohnt der Blick auf die Liste: Laut NHS enthalten neben vielen permanenten auch einige semipermanente Farben PPD.
Wann du überhaupt nicht färbst
Anhang III der EU-Kosmetikverordnung schreibt für die dort geregelten Färbestoffe in oxidativen Haarfarben einen festen Warnhinweis auf dem Etikett vor; den Wortlaut zeigt zum Beispiel die Verordnung (EU) 2017/237. Er sagt, dass Haarfärbemittel schwere allergische Reaktionen hervorrufen können, dass das Produkt nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt ist und dass Tätowierungen mit „schwarzem Henna“ das Allergierisiko erhöhen können. Färben sollst du danach nicht,
- wenn du einen Ausschlag im Gesicht hast oder deine Kopfhaut empfindlich, gereizt oder verletzt ist,
- wenn du schon einmal nach dem Färben eine Reaktion festgestellt hast,
- wenn eine temporäre Tätowierung mit „schwarzem Henna“ bei dir schon einmal eine Reaktion ausgelöst hat.
Just For Men ergänzt in seiner Anleitung einen Punkt: Bei Pigmentstörungen der Haut wie Vitiligo oder solchen Fällen in der Familie verwendest du keine Haarfarbe. Bemerkst du nach dem Färben helle Flecken auf der Haut, hörst du sofort auf.
Der Allergietest: Hersteller und BfR sind uneins
Just For Men verlangt vor jeder Anwendung einen Hauttest, auch wenn du das Produkt schon vertragen hast. Du mischst kleine, gleiche Mengen Farbbasis und Entwickler und trägst eine dünne, münzgroße Schicht auf die gereinigte Armbeuge auf. Die Stelle bleibt 48 Stunden ungewaschen und unbedeckt. Juckt, brennt, rötet oder schwillt sie in dieser Zeit, färbst du nicht. Der Hersteller schreibt selbst, dass der Test künftige Reaktionen nicht ausschließt.
Das BfR rät in seiner Stellungnahme 015/2014 von solchen Selbsttests mit PPD-haltigen Farben ab. Für das Entstehen einer Allergie zählt auch, wie oft die Haut den Stoff abbekommt, und ein Test vor jeder Färbung verdoppelt diese Kontakte. Zudem könnten Laien leichte Reaktionen übersehen. Eine PPD-Allergie ist laut BfR nicht heilbar und schwer zu meiden, weil PPD auch in dunklen Textilien und Lederwaren steckt.
Ein Hauttest macht ein PPD-Produkt also nicht sicher. Er ist eine Herstellervorgabe, die die zuständige Behörde für riskant hält. Wenn du dieses Risiko nicht eingehen willst, bleiben die Wege ohne PPD aus dem ersten Abschnitt.
Hattest du schon einmal eine Reaktion auf Haarfarbe, kann laut NHS eine ärztliche Überweisung zur Hautärztin oder zum Hautarzt folgen. Dort klärt ein Epikutantest, auf welchen Stoff du reagierst. Laut BfR kann allerdings auch dieser ärztliche Test eine PPD-Allergie auslösen.
Farbton wählen und auftragen
Wähle einen Ton nah an deiner natürlichen Bartfarbe. Bist du unsicher, nimm laut Just For Men den helleren.
Vor dem Färben nennt die Anleitung dieses Modells drei Vorsichtsmaßnahmen. Nimm Kontaktlinsen heraus und halte die Farbe von den Augen fern; gelangt sie hinein, spülst du sofort aus. Hast du die Haare blondiert, chemisch geglättet oder eine Dauerwelle gemacht, wartest du mindestens 14 Tage. Danach folgen diese Schritte:
- Handschuhe anziehen und Kleidung sowie Flächen abdecken.
- Farbbasis und Entwickler zu gleichen Teilen in die Schale geben und mit dem Kunststoffende des Pinsels mischen.
- Die Mischung auf den trockenen, ungewaschenen Bart auftragen. Dort beginnen, wo am meisten Grau ist, und nicht mit den Händen einmassieren.
- Den Timer erst nach dem Auftragen starten: fünf Minuten, bei hartnäckigem Grau bis zu zehn.
- Unter der Dusche ausspülen, bis das Wasser klar bleibt, danach mit Bartshampoo oder Shampoo waschen. Stückseife nimmst du dafür nicht.
Bewahre die leere Packung einige Tage auf, falls doch eine Reaktion auftritt. Wie du den Bart in den Wochen danach reinigst, steht in Bart waschen.
Wenn die Haut reagiert
Typische Zeichen sind laut NHS Stechen und Brennen, ein juckender Ausschlag, trockene, spannende oder wunde Haut und Bläschen. Sie können bis zu 72 Stunden nach dem Färben auftreten. Spürst du eine beginnende Reaktion, wäschst du die Farbe sofort mit mildem Shampoo aus und färbst nicht weiter. Werden die Beschwerden stärker, gehört das in die Hausarztpraxis.
Schwellen Lippen, Mund, Zunge oder Rachen plötzlich an, wird der Hals eng oder fällt das Schlucken schwer, ist das laut NHS ein Notfall: Ruf den Notruf 112. Just For Men nennt zusätzlich Atemnot, Engegefühl in der Brust, Quaddeln oder Schwellungen am Körper als Grund für sofortige medizinische Hilfe. Nach jeder solchen Reaktion verwendest du laut Hersteller keine Haarfarbe mehr, bis du mit einer Ärztin oder einem Arzt gesprochen hast.
Häufige Fragen
Kann ich die Augenbrauen gleich mitfärben?
Nein. Die Anleitung von Just For Men verbietet Augenbrauen und Wimpern ausdrücklich, weil das zur Erblindung führen kann. Die Bartfarbe ist laut Hersteller auch nicht für Körperhaar gedacht.
Wie lange hält die Farbe im Bart?
Eine permanente Bartfarbe bleibt, bis das Grau nachwächst; neu färbst du also den Nachwuchs. Eine Tönung musst du nach den oben genannten Wäschen erneuern. Eine geöffnete Packung Just For Men Mustache & Beard bleibt laut Hersteller bis zu drei Monate verwendbar, wenn die Kappen fest verschlossen sind.
Darf ich über einen mit Henna gefärbten Bart färben?
Just For Men schließt das für sein Produkt aus: Ist das Haar mit Henna gefärbt, verwendest du die Bartfarbe nicht.




